#1 Zwotental – Adorf: Die Hoffnung stirbt zuletzt von FHWE e.V. 10.03.2017 21:43

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Liebe Eisenbahnfreunde,

wie Ihnen vielleicht bekannt ist, ist der südlichste Streckenabschnitt der Eisenbahnstrecke Chemnitz – Aue – Adorf (CA-Linie) von Zwotental nach Adorf/Vogtl akut davon bedroht, nach der 2012 erfolgten, dortigen Einstellung des regulären Verkehrs nunmehr auch als vorgehaltene Eisenbahninfrastruktur offiziell und endgültig stillgelegt zu werden.

Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, gibt es jetzt eine Online-Petition, die das Ziel verfolgt, die Stilllegung der Strecke Zwotental – Adorf doch noch zu verhindern. Diese Petition ist ausdrücklich keine Aktion des FHWE e.V., sondern wurde durch die Privatperson Christoph Kopp initiiert. Dennoch sei auf diese Online-Petition hiermit hingewiesen und jeder Eisenbahn- und Heimatfreund, der sich der Eisenbahn im Vogtland verpflichtet fühlt, kann sie bitte gern mit unterzeichnen. Hier geht es zur Petition: http://weact.campact.de/petitions/erhalt...vogtl-zwotental

Ob und inwiefern eine Unterschriftenliste zum jetzigen Zeitpunkt die Stilllegung der Infrastruktur Zwotental – Adorf noch zu verhindern vermag, darüber ist an dieser Stelle nicht zu spekulieren. Die nüchterne Faktenlage ist die: Bereits seit 2006 wurde das Verkehrsangebot der täglich verkehrenden Triebwagen zwischen Zwotental und Adorf stark reduziert, seit 2010 verkehrten nur noch an Wochenenden und Feiertagen reguläre Züge. Am 8. Dezember 2012 endete hier der reguläre Verkehr der Vogtlandbahn durch Abbestellung seitens des Verkehrsverbundes gänzlich. Seither nutzen nur noch Gelegenheits- und Sonderverkehre das Streckengleis zwischen Zwotental und Adorf. Diese eher seltenen Fahrten bescheren der Betreiberin der Eisenbahninfrastruktur der Strecke Zwotental – Adorf, der DB Netz AG, nur noch sporadische Einnahmen, währenddessen die jährlichen Vorhaltungskosten für die Gleise deutlich höher liegen. Die DB Netz AG hat daher 2014 das Stilllegungsverfahren für diese Strecke beim Eisenbahnbundesamt (EBA) eingeleitet und hatte damit Erfolg: Seit 2016 hält DB Netz einen rechtsgültigen Bescheid des EBA in der Hand, die Stilllegung der Strecke Zwotental – Adorf frühestens im Dezember 2017 und spätestens im Juni 2018 durchführen zu dürfen. Das bedeutet stark vereinfacht und „volksnah“ ausgedrückt: In diesem Zeitraum darf DB Netz die Stilllegung der Strecke nunmehr „einfach so“ durchführen und muss sozusagen „niemanden mehr weiter fragen“.

DB Netz ist aber nicht verpflichtet, die Stilllegung Zwotental – Adorf tatsächlich durchzuführen: DB Netz muss es nicht, sondern darf es. Würde DB Netz die Strecke nicht zwischen Dezember 2017 und Juni 2018 stilllegen, würde die existierende Stilllegungsgenehmigung verfallen und im Falle eines erneuten Stilllegungsinteresses müsste theoretisch ein neues Stilllegungsverfahren beim EBA beantragt werden mit der gesamten „Tippeltappeltour“ mit der Anhörung und Einbindung von Dritten usw. – ein rein theoretisches Szenario.

In der Praxis ist also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass DB Netz von seiner seit 2016 vorliegenden Stilllegungsgenehmigung für Zwotental – Adorf Gebrauch machen wird und die Strecke zwischen Dezember dieses Jahres und spätestens Juni 2018 – mutmaßlich gleich im Dezember 2017 – stilllegen wird. Die Strecke Zwotental – Adorf wäre dadurch dann nicht mehr als Eisenbahninfrastruktur in Betrieb und könnte zukünftig auch nicht mehr z.B. von touristisch orientierten Sonderzügen benutzt werden. Um diesen Umstand wissend, fahren bis Dezember 2017 mehrere Eisenbahnvereine nochmals Dampfsonderzüge auf der CA-Linie zwischen Muldenberg, Zwotental und Adorf – unter anderem zu Ostern der Verein Sächsischer Eisenbahnfreunde e.V. aus Schwarzenberg sowie im Juni das Sächsische Eisenbahnmuseum e.V. aus Chemnitz.

Kann denn dann die Strecke Zwotental – Adorf überhaupt noch gerettet werden? Nun – bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt und zumindest theoretisch ist es bekanntlich nie zu spät. Es hat Rettungen von Institutionen gegeben, die sind nicht „fünf vor Zwölf“, sondern eher „fünf Sekunden vor Zwölf“ gelungen – warum also im Falle Zwotental – Adorf nicht zumindest eine bestehende Initiative – in diesem Falle die o.g. Online-Petition – unterstützen, wenn diese zumindest noch eine Aussicht auf Erfolg haben könnte?

Rein theoretisch könnte Zwotental – Adorf natürlich über die „politische Schiene“ gerettet werden. So könnte z.B. rein theoretisch der Freistaat Sachsen betriebswirtschaftlich gerechnet nicht rentable, im Gesamtinteresse des Landes politisch jedoch gewollte Eisenbahnstrecken zumindest als vorgehaltene Infrastruktur sichern, indem die öffentliche Hand ein bei der Vorhaltung der Gleisanlagen entstehendes Defizit dem Gleisnetzbetreiber erstattet und sich hierzu vertraglich verpflichtet. Freilich entspricht ein solches, wie gesagt theoretisch mögliches, Vorgehen nicht der tatsächlich stattfindenden sächsischen Landespolitik.

Im Gegensatz zum Straßennetz: Hier gibt es das Vorgehen, dass millionen- und abermillionenschwere Straßenneu- und -ausbauten insbesondere von Ortsumgehungsstraßen und Autobahnzubringern im ländlichen Raum und nachher der teure und dauerhafte Unterhalt dieser Super-Straßen vorgenommen werden – trotz nachweislich aktuell und aufgrund der negativen demografischen Entwicklung im ländlichen Raume auch zukünftig fehlenden akuten und konkreten Bedarfs, jedoch schlichtweg aufgrund politischer Gewolltheit und im Interesse eines nach einheitlichen Ausbaugrundsätzen überall gleichwertig vorgehaltenen Straßennetzes.

Analog dazu ist natürlich der Gedanke zu spinnen, ein solch konzeptionelles und im Interesse eines zusammenhängenden Gesamtnetzes stattzufindendes Vorhalten von Verkehrswegen auch im Schienenwegebereich anzuwenden. Wie gesagt findet dies in der aktuellen Politik nicht statt. Währenddessen im Straßenbereich so ziemlich nahezu alles gebaut und ausgebaut wird, was „irgendwie schön“ sein könnte und in den nächsten gefühlten eine Million Jahren auch nur verdachtsweise an Straßen gebraucht werden könnte, regiert im Schienenbereich eine extrem restriktive Politik: Alles, was auch nur den Verdacht erregt, dass es abkömmlich sein könnte, wird aus Sicht sächsischer Politik „besser“ nicht mehr gebraucht – es kostet ja Geld.

Hier eine Umkehr in diesem politischen Verhalten zu erzeugen, ist wohl die einzige theoretische Möglichkeit, die Strecke Zwotental – Adorf zumindest als auch weiterhin vorzuhaltende Eisenbahninfrastruktur noch zu retten und damit deren auch zukünftige Nutzungsmöglichkeit z.B. für Dampfsonderzüge und anderweitige touristische Fahrten zu bewirken. Auf die Politik Einfluss zu nehmen muss aber nicht zwingend auf Landesebene beginnen, sondern kann und muss durchaus auch erst einmal im Kleineren ansetzen – in diesem Falle auf Landkreisebene. Und so zielt die o.g. Online-Petition darauf ab, den Landrat des Vogtlandkreises dazu zu bewegen, sich dafür politisch stark zu machen, die Strecke Zwotental – Adorf doch noch zu retten. Dies ist sicherlich zumindest kein schlechter Ansatz.

Deshalb gilt: Insofern auch Sie Interesse an einem Fortbestehen des vogtländischen Eisenbahnstreckennetzes im Allgemeinen sowie der CA-Linie mit ihrem Streckenabschnitt Zwotental – Adorf im Besonderen haben, bitte unterzeichnen auch Sie die Online-Petition von Christoph Kopp für den Streckenerhalt Zwotental – Adorf unter http://weact.campact.de/petitions/erhalt...vogtl-zwotental

Vielen Dank!

Holger Drosdeck
Förderverein Historische
Westsächsische Eisenbahnen e.V. (FHWE)


PS: Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass auf eventuelle Rückfragen aus Aufwandsgründen nicht in jedem Einzelfall indivdiduell geantwortet werden kann.

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