#1 Koalitionsvertrag im Visier: Kampf um ICE-Halt in Jena geht weiter von hzol 29.10.2014 18:03

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Zitat von Tino Zippel
Das Jenaer Bahnbündnis will eine Lösung für den Fernverkehr auf der Saalbahn im Koalitionsvertrag verankert sehen

Jena. Das Jenaer Bahnbündnis stellt sich auf einen Regierungswechsel ein und mahnt schon einmal bei den Fraktionen des Thüringer Landtages an, dass Jena ab Ende 2017 nicht vom regelmäßigen Fernverkehr abgekoppelt werden dürfe. Eine entsprechende Klausel soll in den Koalitionsvertrag.

Nach Fertigstellung der ICE-Strecke durch den Thüringer Wald sollen die Schnellzüge von Berlin nach München ausschließlich über Erfurt verkehren. Bislang plant das Land, Regionalexpress-Züge als Ersatz auf der Saalbahn einzusetzen. Zwei ICE sollen morgens von Jena nach Berlin starten, zwei am Abend aus der Hauptstadt eintreffen. In der bisher vorgesehenen Ausgestaltung sei "dieses Angebot nicht geeignet, signifikante Nachteile für die Region zu vermeiden", heißt es im Schreiben des Bahnbündnisses, das OTZ vorliegt.

Bahnchef Grube aufgeschlossen
Hauptsächlich gehe es um die Nord-Süd-Strecke, die neben Jena auch die Region Saalfeld/Rudolstadt an Fernziele wie Leipzig und Berlin anbindet. Der Umweg über Erfurt lohnt sich bei diesen Zielen nicht. Das Bahnbündnis, in dem sich Stadt, Unternehmen und Hochschulen zusammengeschlossen haben, verweist unter anderem auf ein Prognos-Gutachten von Ende 2012, wonach Ostthüringen nicht im erwarteten Maße von der neuen ICE-Strecke durch den Thüringer Wald profitieren wird. Stattdessen bestünden Risiken für Jena durch den Wegfall. Im Brief beruft sich das Bündnis auf die Aussagen von zwei High-Tech-Unternehmen, die eine Verlagerung hoch­qualifizierter Arbeitsplätze in andere Bundesländer angekündigt haben, falls kein Fernbahnanschluss besteht.

Dem Vorsitzenden Wolfgang Meyer zufolge, favorisiert das Fernbahnbündnis eine vom Bundesverkehrsministerium vorgeschlagene Lösung, wonach die Deutsche Bahn ein zweistündiges Interregio-Angebot zwischen Berlin und Nürnberg unterbreitet, das die Bundesländer kofinanzieren. Als Verkehrsmittel hat das Ministerium schnelle Doppelstock-Triebzüge vom Typ Twindexx-Express vorgeschlagen.

Die Idee stößt bei der Deutschen Bahn AG auf offene Ohren. "Vorstandschef Rüdiger Grube fand die Idee des mischfinanzierten Fernverkehrs sympathisch", berichtet der Bundestagsabgeordnete Ralph Lenkert von einem Termin seines Linke-Fraktionsvorstandes mit der Bahnchefetage. Demnach habe Grube zugesichert, eine solche Variante zu prüfen. "Thüringen muss aber wie die anderen Bundesländer an der Strecke mitspielen", sagt Lenkert. "Der Freistaat darf sich einer solchen Lösung nicht verweigern." Zumindest - so deutet sich an - wird er künftig diese Forderung auf kurzem Dienstweg an die Landes­regierung schicken können.

Das Bahnbündnis wirbt schon einmal darum, einen solchen Interregio als Ziel im Koalitionsvertrag zu verankern. Die Landesregierung möge sich "aktiv und federführend für eine mischfinanzierte, zweistündliche Interregio-Linie Berlin - Leipzig - Jena - Nürnberg einsetzen", fordert die Jenaer Interessengruppe.


TA

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