#1 GDL UND DEUTSCHE BAHN Bahnkunden atmen auf - Einjähriger Tarifstreit gelöst von Baureihe 143 01.07.2015 18:10

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Noch vor den Sommerferien können auch die Berliner aufatmen: Der Tarifkonflikt zwischen Bahn und Lokführern ist nach einem Jahr beendet.

Der längste Tarifkonflikt in der Geschichte der Deutschen Bahn mit neun Streiks über insgesamt 420 Stunden ist gelöst.

Lokführergewerkschaft GDL und Bahn unterschrieben nach fünfwöchiger Schlichtung am späten Dienstagabend die Verträge. Während sich die Lohnerhöhungen an den Abschluss mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) anlehnen, setzte die konkurrierende GDL bei den Arbeitszeiten noch Verbesserungen für das Zugpersonal durch.

So müssen Überstunden abgebaut und neue begrenzt werden. Die Bahn muss zudem 300 Lokführer und 100 Zugbegleiter neu einstellen. Ab 2018 wird die Arbeitszeit um eine Stunde pro Woche gesenkt. Mit der Einigung sind neue Streiks bis September 2016 ausgeschlossen.

"Mit Vernunft und Augenmaß"

"Wir haben am Ende einen Abschluss mit Vernunft und Augenmaß", sagte Brandenburgs Ex-Regierungschef Matthias Platzeck als einer der Schlichter. Der insgesamt gut einjährige Konflikt war so schwer zu lösen, da GDL und EVG teils für dieselben Beschäftigtengruppen Verträge abschließen wollten. Sie stehen seit längerem in harter Konkurrenz um die Beschäftigen.

Die Bahn aber lehnte unterschiedliche Regelungen für dieselben Berufsfelder ab, da sie den Betriebsfrieden gefährdet sah. EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba lobte das Schlichtungsergebnis. Die Übernahme der Lohn-Erhöhungen aus den EVG-Verhandlungen verhindere eine Spaltung der Belegschaft.

Keine Verhandlung für Zartbesaitete

Platzeck, den die Bahn als Schlichter benannt hatte, sprach von extrem schwierigen Gesprächen, die zweimal verlängert werden mussten. Die Spannung zwischen Bahn-Personalchef Ulrich Weber und GDL-Chef Claus Weselsky sei extrem gewesen: "Wenn sie zwischen die beiden Verhandlungspartner eine Glühlampe gehalten hätten, dann hätte sie geleuchtet", sagte er.

"Die Verhandlungen waren für zartbesaitete Gemüter nicht geeignet." Man habe zwischendurch sogar abgebrochen. Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, für die GDL Schlichter, sagte: "Was ich hier erlebt habe, überschreitet alles, was ich bisher erlebt habe." Zentraler Punkt für die GDL sei der Belastungsabbau gewesen.

GDL setzt Beschränkungen von Überstunden durch

Die EVG hatte Ende Mai für 160.000 Beschäftigte aller Berufsgruppen eine Lohnerhöhung von 5,1 Prozent in zwei Stufen ausgehandelt. Die ist nun auch Bestandteil der Einigung mit der GDL, die neben den Lokführern für das Zugbegleitpersonal und die Rangierführer eigene Verträge durchsetzen konnte. Darüber hinaus erreichte die GDL Verbesserungen bei der Arbeitslast: Bei den Lokführern müssen bis 2017 eine Million der drei Millionen Überstunden abgebaut sein. Beim Zugbegleitpersonal sind es 300.000 Stunden. Im Jahr dürfen nun pro Beschäftigten nicht mehr als 80 Überstunden neu anfallen. Neue Regelungen gibt es zudem zur Altersteilzeit und im Fall von Arbeitsunfähigkeit. Ab 2018 müssen Lokführer nur noch 38 statt 39 Stunden pro Woche arbeiten.

Ferner soll das Tarifeinheitsgesetz der Bundesregierung, das den Einfluss kleinerer Gewerkschaften wie der GDL beschränkt, bis 2020 bei der Bahn nicht angewendet werden. Im Gegenzug soll es im Konfliktfall aber einen Zwang zur Schlichtung geben. Die Gewerkschaft will wie andere Organisationen vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Gesetz klagen, das noch vom Bundespräsidenten unterschrieben werden muss.

GDL-Chef Weselsky sprach von einem großen Erfolg, die Auseinandersetzung und die Arbeitskämpfe über gut ein Jahr hätten sich ausgezahlt. Die Kernforderungen der GDL seien erfüllt worden. Man habe eigenständige Verträge auch für das Zugbegleitpersonal und Rangierführer und die Belastung der Beschäftigten gesenkt. Bahn-Personalvorstand Weber zeigte sich erleichtert: "Wir haben ein Ergebnis, das Gott sei Dank dazu führt, dass sich unsere Kunden auf die Deutsche Bahn wieder verlassen können." Er gehe davon aus, dass es auch in Zukunft keine Kollisionen bei den Inhalten der Verträge mit EVG und GDL geben werde. Weber deutete an, dass etwa die Arbeitszeitverkürzung ab 2018 auch auf die EVG-Mitglieder und letztlich alle Beschäftigen übertragen würden.

Quelle:
http://www.morgenpost.de/wirtschaft/arti...it-geloest.html

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